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Was tun, wenn dich im Wald plötzlich zwei freilaufende Hunde „überraschen"?


Ich hatte letzte Woche so einen Moment, den kennst du vielleicht: Du bist eigentlich in deiner Arbeit mit deinem Hund, alles läuft – und dann kippt die Lage innerhalb von Sekunden.

Shoki und ich waren hier um die Ecke im Wald. Schnee, Futterbeutel-Suche, ich hatte sechs oder sieben Beutel in den Schnee geschmissen (ehrlich: ich weiß es nicht mehr genau). Natürlich sind die eingesunken. Für Shoki war das richtig schwer, die wieder einzusammeln. Wir haben länger gesucht, und es gab so drei, vier, fünf Minuten, in denen er einfach nichts mehr gefunden hat.

Und dann: hinter uns ein Pfiff.

Nicht so ein „ich pfeif mal“, sondern ziemlich eindeutig ein Rückrufpfiff für Hunde. Und in dem Moment ist mir sofort klar: Wenn jemand Rückruf pfeift, dann gibt’s irgendwo mindestens einen freilaufenden Hund.


Mein erster Schritt: Sofort umdrehen und Lage checken

Ich drehe mich in so einem Moment direkt um. Nicht, um Drama zu machen – sondern weil ich wissen will: Wo sind die Hunde? Wie schnell sind die? Wie kommen die auf uns zu?

Und ich sehe zwei ziemlich große Hunde direkt auf uns zu brettern.

Ich sehe auch innerhalb von Sekunden: Dieser Rückpfiff hat für die Hunde gerade null Bedeutung. Einer war eher jung (Welpenalter Richtung Pubertät), der andere erwachsen. Und ja: Mein Hund würde das wahrscheinlich irgendwie wegstecken.

Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Wir waren in einer gemeinsamen Arbeit. Da ist eine Ersatzbeute mit Futter im Spiel. Und diese Hunde sind unbekannt und kommen ohne Absprache einfach in unsere Situation rein.

So schnell konnte ich nicht abschätzen, in welcher Stimmung die beiden sind. Also entscheide ich: Ich rette die Situation für meinen Hund. Auch wenn es vielleicht “nichts zu retten gäbe”.

Das ist Führung. Nicht warten, bis es knallt – sondern handeln, bevor es knallt.


Was ich gemacht habe: Hund mit Namen ansprechen + locker wegjoggen

Ich habe Shoki aus der Suche gerufen und bin locker weggejoggt.

Warum Joggen und nicht einfach nur rufen?

  1. Bewegung zieht Aufmerksamkeit. Rufen kann verpuffen – Bewegung wirkt kommunikativ oft stärker, Bewegung ist Muttersprache. Meine Message: "Shoki, wir gehen!" Fertig.

  2. Ich wollte Distanz schaffen.Und zwar so, dass die anderen Hunde eine Wahl machen müssen: Laufe ich weiter zu den beiden da vorne oder bleibe ich bei meiner Gruppe?

Und genau das ist passiert: Der erwachsene Hund hat beim fünften/sechsten Pfiff doch umgedreht. Der junge Hund hat uns noch kurz beobachtet (=nachgedacht) und dann entschieden: Zu weit. Lohnt nicht. Und ist zurück.

Das war’s. Keine Eskalation, kein ungewollter Kontakt.


Was du daraus mitnehmen kannst:

1) Rechne immer mit naiven oder rücksichtslosen Hundehaltern

Das ist bitter, aber realistisch. Und es ist komplett egal, ob der andere „eigentlich nett“ ist. In dem Moment zählt nur, was dein Hund in der Situation mit dir erlebt. Bist du handlungsfähig oder starr vor Überforderung?

Ich habe dem Halter danach noch zugerufen, dass es ziemlich knapp war. Er so: „Warum?“ Und ich: „Naja, weil ich die Situation retten musste.“

Ob er’s akustisch verstanden hat? Keine Ahnung. Der war bestimmt 200 Meter weg.

Merksatz: Verlass dich nicht darauf, dass andere führen. Gehe selbst in Führung.


2) Beobachte deine Umgebung – bevor du überrascht wirst

Wenn du im Wald unterwegs bist: scanne regelmäßig, bleib aufmerksam. Nicht paranoid, aber präsent.

  • Wo sind Wege, Kurven, Sichtachsen?

  • Höre ich Stimmen, Pfiffe, Hunde?

  • Tauchen irgendwo Menschen auf, die “weiter hinten” Hunde haben könnten?

Das ist vorausschauend. Wenn du es nicht machst, übernimmt mit Sicherheit dein Hund diese Aufgabe. Eine*r muss es tun.


3) Wenn zwei unangeleinte Hunde auf euch zulaufen: Einschätzen – und wenn keine Zeit ist, automatisch Distanz aufbauen.

Du kannst versuchen einzuschätzen: Wie wirkt dein Hund? Wie wirkt der andere? Wie schnell? Welche Haltung?


Wenn du keine Zeit hast, dann entscheide dich automatisch für Distanz. In meinem Fall waren mir zwei Hunde zu viel (sowieso ein No Go ohne Absprache) – und mit Ressourcen im Spiel wollte ich diese Konfrontation gar nicht erst eröffnen.

Deeskalation heißt manchmal schlicht: “Wir sind weg.”


4) Schnell handeln ist besser als perfekt überlegen

Dieser Teil ist wichtig: Viele bleiben stehen, denken zu lange, hoffen, dass der Rückruf klappt, und dann ist es zu spät.

  • Schnell handeln - EInfach weggehen oder wegjoggen. Wenn du schnell genug bist und die fremden Hunde noch nicht bei euch sind: Dein Hund wird sich anschließen, das ist für ihn einfach normal.

  • Im Zweifel überhaupt handeln

  • Wenig überlegen, machen!

Einfach weg ist oft eine verdammt gute Idee.


Ich habe einen Futterbeutel geopfert

Ich habe in dem Moment einen Beutel im Wald liegen lassen, weil mir die Situation und die Beziehung zu meinem Hund wichtiger waren. Was würde er sonst über mich denken?

  • Ich habe ihn in diesen Wald geführt

  • Ich habe ihm an dieser Stelle die Aufgabe vorbereitet

  • Also muss ich auch an seiner Seite stehen, wenn es anders läuft, als geplant. Hätte ich das nicht gemacht, könnte er zurecht meine Treue (Betreuung) und Führung (Präsenz & Überblick, Klarheit, Verlässlichkeit, Rollen) in Frage stellen.


Wir haben aber das Beste daraus gemacht und haben den Futterbeutel 2 Tage später tatsächlich erfolgreich nachgesucht. Mit Rehen vor der Nase. Das war ziemlich cool. Shoki fand es richtig spannend, weil es eine realistische Verlorensuche war und ich war richtig stolz, weil die Rehe, die kurz vorher und für uns beide sichtbar über unser Suchfeld gelaufen sind, kein Thema waren.


Learning: Immer erst das Problem lösen, was gerade da ist! Du kannst den Futterbeutel später wiederfinden– du kannst einen blöden Hundekontakt aber nicht “später rückgängig machen”.


Deine Mini-Checkliste für „Überraschung im Wald“

Wenn du es simpel willst:

  1. Überblick gewinnen

  2. Bewegung reinbringen (gehen/joggen), Richtung weg.

  3. Distanz aufbauen.


Falls dein Hund derjenige ist, der gerne zu anderen Hunden rennt:

Dann hast du ein Beziehungsproblem und bist vielleicht auch rücksichtslos.

  1. Wer entscheidet (und ignoriert den Stopp-/Rückruf)? Dein Hund.

  2. Dein Hund sorgt durch Hinlaufen für eure Sicherheit. Fremde Hunde checken sich ab. Sie spielen nicht. Sie sagen NICHT "Hallo". Punkt.

  3. Dein Hund ist körperlich überlegen: Selbst im Vollsprint bist du langsamer und erst nach ihm am "Schauplatz".

  4. Du hast keinen Einfluss, dein Hund regelt.

  5. Du kannst deine Regeln z.B. "Bleib hier" oder "Komm zurück" nicht Aufrecht halten.

  6. ...


Die gute Nachricht: Das muss nicht so bleiben.

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Liebe Grüße

Jule 🩷


 
 
 

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