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„Ich habe meinen Hund geschlagen.“

„Ich habe meinen Hund geschlagen.“

Diesen Satz sagt Elli in unserem Podcast. Mit Tränen in den Augen.



Als wir die Folge aufgenommen haben, war mir nicht klar, wie emotional dieses Gespräch werden würde. Ich wollte eigentlich mit Elli darüber sprechen, wie sie zur Hundetrainerin geworden ist, wie sie die Hundewelt früher gesehen hat und was sich auf ihrem Weg verändert hat. Doch ziemlich schnell wurde deutlich, dass wir über etwas anderes sprechen.


Nämlich darüber, was passiert, wenn Menschen Hilfe suchen und dabei an die falschen Expert:innen geraten.

Elli erzählt im Podcast, dass sie damals alles geglaubt hat, was man ihr gesagt hat. Sie war Ersthundebesitzerin, sie wollte alles richtig machen und sie hat genau das Richtige getan: Sie hat sich Unterstützung gesucht. Hundeschule, Expert*innen, Fachleute. Menschen, die ihr erklären sollten, wie Hunde funktionieren. Menschen, die Antworten hatten. Oder zumindest so wirkten, als hätten sie Antworten.


Heute, viele Jahre später, ist Elli selbst Hundetrainerin. Sie begleitet Menschen und Hunde durch schwierige Situationen. Und trotzdem spricht sie offen über einen Moment, auf den sie nicht stolz ist. Über einen Moment, in dem sie ihren Hund geschlagen hat.

Nicht, weil sie ihren Hund nicht geliebt hätte oder weil sie ein gewalttätiger Mensch gewesen wäre.

Sondern weil sie überzeugt wurde, dass dies der richtige Weg sei.

Das ist der Teil der Geschichte, den ich so wichtig finde. Denn wir reden gerne über Menschen, die Fehler machen. Viel seltener reden wir darüber, wie diese Fehler entstehen. Wer ihnen geraten hat. Wer ihnen erklärt hat, dass Druck notwendig ist. Wer ihnen vermittelt hat, dass ein Hund gehorchen muss, koste es, was es wolle.

Während Elli erzählt, muss ich an eine andere Frau denken.


Eine Frau, nennen wir sie Sandra, die bei mir im Erstgespräch saß. Mit Tränen in den Augen. Ihr Hund hatte gebissen und sie hatte Angst. Angst vor ihrem eigenen Hund. Angst vor der Zukunft. Angst davor, dass es wieder passiert. Angst, dass sie ihren Hund abgeben muss.

Auch sie hatte bereits Hilfe gesucht. Genau wie Elli.

Und genau wie Elli war sie an Menschen geraten, die ihr zwar erklärt hatten, was ihr Hund nicht tun darf, aber nicht, warum er es tut.

Die Antwort auf ihre Frage, was sie denn machen solle, wenn ihr Hund beißt, lautete sinngemäß: „Das hat er nicht zu machen.“ Gemeint war: „Der Hund darf das nicht.“

Aha. Er macht es aber.


Das beantwortet nicht die Frage, warum der Hund beißt. Es beantwortet nicht die Frage, wie man weitere Beißvorfälle verhindern kann. Es beantwortet nicht die Frage, welche Warnsignale es vorher gab. Es beantwortet nicht die Frage, welche Bedürfnisse hinter dem Verhalten stehen könnten. Vor allem beantwortet es nicht die Frage, die für die Frau in diesem Moment die wichtigste war:

„Wie kann ich mir und meinem Hund helfen?“

Statt Unterstützung bekam sie Schuldgefühle, Scham und das Gefühl, versagt zu haben.


Das ärgert mich!!!

Nicht, dass Menschen Fehler machen oder dass Menschen falsche Entscheidungen treffen.

Sondern dass Menschen Hilfe suchen und mit ihren Fragen allein gelassen werden und emotional noch schlimmer da stehen, als vorher. .


Einige Wochen vor der Podcastaufnahme bekam ich eine Nachricht von Katja. Katja und Aron begleiten uns inzwischen seit mehreren Jahren. In ihrer Nachricht beschrieb sie eine Situation, die auf den ersten Blick völlig unspektakulär wirkt. Der junge Nachbarshund war vor lauter Aufregung über den Gartenzaun gesprungen und stand plötzlich im falschen Garten. Zwei Hunde, die sich nicht kannten. Eine Situation, die durchaus hätte eskalieren können.

Doch Katja beschrieb die Situation völlig anders.


Sie schrieb:

Ich wusste zu jeder Zeit, was Aron braucht. Ich wusste zu jeder Zeit, was der andere Hund braucht. Ich konnte die Situation locker bewältigen.“

Das beschreibt, worum es in unserer Arbeit eigentlich geht. Handlungsfähigkeit.

Katja hat nicht geschrieben, dass sie das richtige Kommando gegeben hat. Sie hat nicht geschrieben, dass Aron besonders gehorsam war. Sie hat nicht geschrieben, dass sie alles unter Kontrolle hatte.

Sie hat geschrieben, dass sie wusste, was die Hunde brauchen.

Das ist ein riesiger Unterschied, denn genau dort beginnt Verständnis. Und vielleicht ist das die Verbindung zwischen diesen drei Geschichten.


Elli hat damals nur gelernt, fragwürdige Methoden anzuwenden. Sandra hat nur gelernt, was ihr Hund alles nicht tun darf. Beide wurden angeleitet, Probleme zu lösen, indem sie Verhalten beeinflussen, kontrollieren oder verhindern.


Katja hat etwas anderes gelernt:

Sie hat gelernt hinzuschauen.

Sie hat gelernt Körpersprache zu lesen.

Sie hat gelernt Verhalten in einen Kontext zu setzen.

Sie hat gelernt zu erkennen, was ein Hund braucht, bevor ein Problem entsteht.

Und genau deshalb konnte sie in einer schwierigen Situation schreiben:

„Ich wusste zu jeder Zeit, was Aron braucht. Ich wusste zu jeder Zeit, was der andere Hund braucht.“


Für mich liegt darin der eigentliche Unterschied zwischen Hundetraining und Hundeverständnis.

Und wenn ich mir etwas für Menschen wünsche, die mit ihren Hunden kämpfen, verzweifelt sind oder nicht weiterwissen, dann genau das.

Nicht mehr Kommandos.

Nicht mehr Druck.

Nicht noch eine Methode.

Sondern die Fähigkeit, hinzuschauen und zu verstehen, was der Hund ihnen eigentlich längst erzählt.


Wenn du Ellis ganze Geschichte hören möchtest, dann hör gerne in die aktuelle Podcastfolge rein.


Liebe Grüße

Jule 🩷


Mehr über Ellis Geschichte hörst du in unserem Podcast:


https://open.spotify.com/episode/5rvpaKnjaNZ3IZoaqkH59f?si=dAn79f7ZSzeEb3qT844rNw


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