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Warum tut mein Hund, was er tut?


Diese Podcast-Folge wurde im Sommer 2025 aufgenommen. Elli hat mich interviewt und mir Fragen zu meinem Weg, meiner Arbeit, meinen Hunden und meiner Haltung gestellt.

Während der Aufnahme lag Akela 🖤 neben mir. Er hat geschlafen und geschnarcht. Nicht alles davon ließ sich rausschneiden. Und ehrlich gesagt wollte ich das auch gar nicht komplett. So ist er in dieser Folge ein kleines Stück verewigt und bleibt hörbar in Erinnerung.



Hör dir die Podcastfolge an

Sie geht am Dienstag, 16. Juni um 5:00 Uhr online.


In diesem Gespräch geht es darum, warum ich heute so arbeite, wie ich arbeite. Warum DER TUT WAS so heißt. Warum ich Verhalten nicht einfach nur als Verhalten sehe. Und warum ich glaube, dass Hunde klare Entscheidungen treffen, kommunizieren und verstanden werden wollen.



Momo und der Moment, der vieles verändert hat

Momo war entscheidend für meine persönliche und berufliche Entwicklung.

Es gibt viele Geschichten mit ihr, aber eine ist mir besonders im Kopf geblieben.

Ich hatte damals angefangen, Jan Nijboers Bücher zu lesen und reinzuspüren, was ich daraus lernen kann. Ich hatte mit dem Futterbeutel angefangen zu arbeiten. Und dann ist Momo mir an der Göttinger Uni abgehauen.

Heute würde mir das so nicht mehr passieren. Sie war vor mir, an der Schleppleine, aber ich hatte die Leine nicht in der Hand. Sie bog um eine Hausecke. Und an der Uni in Göttingen ist Hasen-City.

Ein Hase oder Kaninchen sah uns und rannte Richtung Straße. Momo hinterher.

Gott sei Dank konnte ich sie davon abhalten. Ich konnte sie stoppen.

Und dann hat sie sich umgedreht und für mich war dieser Moment ganz klar: Sie fragte mich, warum sie diesen Hasen jetzt nicht jagen sollte.

Zum Glück hatte ich den Futterbeutel dabei. Ich habe ihn rausgeholt und ihr damit eine Antwort gegeben: Weil ich eine Ersatzjagd mit dir mache.

Und sie sagte: Okay, dann komme ich.

Das war für mich ein Punkt, an dem ich gemerkt habe: Hunde treffen klare Entscheidungen.

Das ist nicht konditioniert oder einprogrammiert wie bei Robotern. Es ist eine klare Entscheidung: Laufe ich dem Hasen hinterher oder nicht?

Natürlich war diese Situation gefährlich und auch emotional. Ich dachte: Ach du Scheiße. So naiv wäre ich heute nicht mehr. Aber fachlich hat dieser Moment viel verändert.



Warum Missverstandenwerden für mich ein roter Faden ist

Elli hat mich gefragt, was ich durch die Arbeit mit Hunden über mich selbst gelernt habe.

Und das ist ziemlich frisch: Ich habe einen roten Faden in meinem Leben entdeckt.

Ich fand es ganz persönlich immer scheiße, falsch verstanden zu werden.

Ich finde es unangenehm, wenn Verhalten einfach abgestempelt wird als „nur Verhalten“ und niemand fragt: Was könnte dahinterstecken? Was will diese Person sagen?

Wenn es emotional wird, kann man manchmal selbst gar nicht in Worte fassen, was gerade im Unreinen oder in Disbalance ist.

Und ich wurde als blondes Mädchen und blonde Frau grundsätzlich oft falsch verstanden. Ich habe lange daran gearbeitet, wie ich mich so ausdrücken kann, dass ich so verstanden werde, wie ich es meine.

Ich glaube, genau deshalb ist es mir so wichtig, dass Hunde richtig verstanden werden.

Weil ich selbst oft missverstanden wurde.

Und wahrscheinlich auch ab und zu immer noch werde. Aber es wird besser.


Vom Unterrichten zur Hundeschule

Ich hatte früh Spaß daran, zu unterrichten und das weiterzugeben, was ich kann oder weiß.

Ich glaube, ich habe mit zwölf oder sogar jünger mein erstes Taschengeld verdient, indem ich meiner Mutter beim Handballtraining von jüngeren Kindern geholfen habe.

Dann bin ich selbst Handballtrainerin geworden. Später habe ich auf Lehramt studiert. Das Studium war nicht unbedingt der Fehler, aber ich bin sehr froh, dass ich nicht Lehrerin im klassischen Sinne geworden bin.

Es war lange klar, dass ich meine Berufung darin finde, zu unterrichten und Wissen oder Können weiterzugeben.

Als ich dann selbst mit Momo in der Hundeschule war, dachte ich: Was für ein geiler Job.

Ich bin selbst total gerne in die Hundeschule gegangen, weil ich etwas mit meinem Hund gemacht habe. Es hat Spaß gemacht. Es ging um Weiterentwicklung. Und auf Weiterentwicklung stehe ich sowieso.

Ich dachte damals: Du unterrichtest, du gibst etwas weiter und anders als in der Schule kommen die Teilnehmer freiwillig und gerne.

Also habe ich mein Studium geschmissen und bin Hundetrainerin geworden.


Selbstständigkeit, Corona und Wachstum

Ich entscheide mich gerne für Wachstum. Ich gehe gerne immer weiter.

Nach der Ausbildung bei Jan Nijboer wusste ich: Ich möchte nicht sofort selbstständig sein. Ich möchte noch einmal in einer Hundeschule arbeiten und lernen.

Deshalb sind Dennis und ich nach Hamburg gegangen.

Dann haben wir gemerkt: Hamburg ist nicht so unser Ding. Es ist groß und hat sich auch nicht so entwickelt, wie wir uns das gewünscht hatten.

Wir sind zurück nach Goslar. Es war ziemlich klar, dass ich mich hier selbstständig mache. Und dann kam Corona.

Ich war gerade fertig mit der Webseite. Ich hatte mein erstes Erstgespräch. Die ersten Menschen meldeten sich bei mir. Und das war genau der erste Tag vom Lockdown.

Rückblickend habe ich mein Unternehmen in Corona aufgebaut. Das ist schon besonders. Damals hat es sich nicht unbedingt wie eine riesige Hürde angefühlt, aber natürlich gab es Phasen, in denen es anstrengend war.

Und dann passieren Dinge, mit denen man nicht rechnet.

Man bricht sich den Arm.

Man hat hochmotivierte Mitarbeiterinnen, die dann merken, dass sie sich den Job anders vorgestellt haben oder doch Mama werden wollen.

Dafür habe ich total Verständnis. Aber es sind Dinge, die nicht geplant sind.

Kleine Hürden passieren immer wieder. Man lernt, damit umzugehen. Beruflich und persönlich.


Mit wem du über deine Ziele sprechen solltest

Wenn ich meinem Ich von vor zehn Jahren etwas sagen würde, dann wäre es:

Zieh durch.

Ohne Zweifel.

Glaub an dich.

Und sprich mit Menschen, die erreicht haben, wo du hinwillst. Nicht mit Menschen, die gar nicht da sind, wo du hinwillst.

Das gilt auch für meine Kundinnen und Kunden.

Wenn du etwas verändern willst, rede mit jemandem, der das schon geschafft hat.

Mir haben früher viele Menschen gesagt: Willst du das wirklich machen? Bist du dir sicher?

Sie meinten es gut. Sie wollten das Beste für mich. Aber sie waren nicht da, wo ich hinwollte.

Also waren sie auch keine guten Ratgeber für diesen Weg.

Und bei Hundethemen ist es genauso.

Wenn jemand keine Ahnung davon hat, wie wir arbeiten und was das bedeutet, dann sollte man diesen Rat nicht einfach annehmen. Vor allem nicht, wenn jemand seine festgelegte Meinung aufdrücken möchte.

Austausch ist etwas anderes. Nachfragen ist wertvoll.

Aber eine Meinung, die aufgedrückt wird, ist schwierig.


Sprache reicht oft nicht aus

Ich weiß mittlerweile, dass nicht die Person, die spricht, maßgeblich ist, sondern die Person, die zuhört.

Auch wenn das der schwierigere Part ist.

Ich musste wirklich lernen zu lauschen. Das habe ich in meiner Coaching-Ausbildung bei Veit Lindau gelernt: Hör bis zum Ende zu.

Ich muss mich da selbst immer wieder regulieren und zurücknehmen.

Und ich glaube mittlerweile, dass es gar nicht möglich ist, alles mit unserer Sprache auszudrücken. Sprache bringt aus meiner Sicht nicht immer genau das rüber, was eigentlich gesagt werden soll.

Auch wenn ich Körpersprache von Hunden erkläre, finde ich manchmal nicht die richtigen Worte, um diese Feinheiten auszudrücken.

Da ist Sprache sehr begrenzt.

Umso wichtiger ist es, Rückfragen zu stellen. Tiefer zu gehen. Sich immer wieder zu verfeinern.

Das würde ich mir grundsätzlich für die Gesellschaft wünschen: nicht gleich in die Luft gehen, sondern erst einmal fragen:

Was meinst du damit?

Wie kann ich das verstehen?


Kundinnen und Kunden müssen nichts tun, was sie nicht verstehen

Bei DER TUT WAS gibt es eine wichtige Grundregel:

Wenn Kundinnen oder Kunden uns nicht verstehen oder nicht nachvollziehen können, was wir von ihnen verlangen, dann sollen sie nachfragen.

Sie müssen nichts tun, was sie nicht verstehen.

Das gilt für Hausaufgaben genauso wie für alles andere.

Ich glaube, damit fahren wir gut.

Denn wichtig ist, dass die innere Haltung der Menschen stimmt.

Wenn jemand nur etwas macht, weil ich es gesagt habe, aber innerlich gar nicht dahintersteht, dann fehlt die Basis.


Warum ich Kommunikationscoach geworden bin

Ich habe früh gemerkt, dass ich mein Wissen einfach über Leute schütten kann.

Ich erzähle und erzähle, was man alles machen muss und wieso, weshalb, warum.

Und die Leute stehen trotzdem da und fragen: Ja, und was mache ich jetzt?

Oder ich schicke sie nach Hause und denke, es war völlig klar. Dann kommen sie wieder und konnten es nicht umsetzen. Sie können aber auch nicht in Worte fassen, warum nicht.

Ich habe gemerkt:

Wenn ich etwas für die Hunde bewegen möchte, muss ich zuerst den Menschen bewegen.

Und der Mensch lässt sich nur bewegen, wenn er Motive hat.

Da dachte ich: Okay, das darfst du noch einmal lernen.

Deshalb ist Kommunikationscoaching Teil meiner Arbeit geworden.


Nicht nur hinhören, sondern hinsehen

Ich sehe mittlerweile in den Augen der Menschen, ob sie nachvollziehen können, was ich gesagt habe oder ob da drei Millionen Fragezeichen sind.

Früher hat mich das verunsichert, weil ich dachte: Es ist doch völlig klar, was ich gesagt habe.

Durch die Coaching-Ausbildung und natürlich durch Erfahrung habe ich gelernt, es sacken zu lassen, Fragen kommen zu lassen und mit Fragetechniken herauszufinden:

Was ist angekommen?

Was von meiner Botschaft ist so gelandet, wie ich sie gemeint habe?

Es geht also nicht nur ums Hinhören, sondern auch ums Hinsehen.

Und beim Hund sowieso.

Da können wir nicht warten, bis er es uns in menschlicher Sprache erklärt.


Warum tut er, was er tut?

Ein Leitsatz meiner Arbeit ist:

Ich gehe immer davon aus, dass mein Gegenüber gerade sein Bestes gibt.

Hund oder Mensch.

Und wenn dieses Beste für mich verletzend, unhöflich, unangenehm oder problematisch wirkt, dann mache ich es mir zur Aufgabe, herauszufinden, warum.

Warum tut er, was er tut?

Deswegen heißt die Hundeschule, wie sie heißt.


Wenn Menschen sich wirklich auf den Hund einlassen

Wenn man sich auf den Hund einlässt, passiert oft sehr viel.

Damit meine ich: Wir schauen uns an, was Hunde brauchen. Welche Bedürfnisse sie mitbringen. Wie sie kommunizieren.

Und wir verabschieden uns von dem Glauben, dass der Hund einfach etwas tun muss.

Stattdessen fragen wir:

Was gibt er mir?

Welche Informationen bekomme ich?

Wenn Menschen darauf eingehen, ist das oft ein krasser Moment. Hunde geben so viel von sich. Und endlich wird mal hingeguckt.

Ein kleines Beispiel ist die Leine.

Die meisten straffen Leinen entstehen durch den Menschen, weil er Kontrolle haben möchte.

Wenn diese Leine nur kurz locker ist, nimmt der Hund oft sofort wieder Kommunikation und Verbindung auf.

Das ist eigentlich meine Hauptarbeit.


Der Hund verweigert sich nicht einfach

Elli erzählte im Interview auch von Togo.

Wir waren gemeinsam mit unseren Hunden auf dem Hundeplatz. Eigentlich wollten wir aktiv sein. Togo wollte aber nicht mit der Hetzangel kooperieren. Er hatte die Nase in der Luft, zeigte Schmetterlinge an, steckte die Nase in Mäuselöcher.

Und dann wurde klar: Für Togo ist das gerade Pillepalle.

Er wollte etwas Echtes. Eine authentische Jagd.

Also haben wir die Situation verändert. Wir haben Dinge aufgebaut, die mehr zu dem passten, was Togo gerade kommuniziert hat.

Aus meiner Sicht war wichtig: Ich habe beobachtet, was er sagt.

Er hatte Bock, etwas mit Elli zu machen. Er hatte Bock zu jagen. Aber er sagte: Das nicht. Ich hätte einen anderen Vorschlag.

Oft denken Menschen dann: Der Hund hat keinen Bock. Der ist ungehorsam. Der verweigert sich.

Aber er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte.

Weil wir hingesehen haben, konnten wir es so gestalten, dass er mitmachen konnte.

Das ist das Schönste an der Arbeit: Hunde bringen wirklich alles mit.

Als Trainerin von außen habe ich es natürlich leichter. Als Hundehalterin oder Hundehalter in der Situation hat man eine andere Perspektive.

Aber genau deshalb braucht es manchmal jemanden, der von außen mit draufschaut.


Zu uns passt nicht: „Der Hund muss“

Ich erkenne an den Worten, ob ein Mensch wirklich bereit ist, sich auf die Beziehung zum Hund einzulassen und nicht nur auf Training.

Zu uns passt niemand, der sagt:

Der Hund muss das lernen.

Oder:

Wir machen doch nur Leinenführung.

Dann merke ich, dass grundlegende Dinge noch nicht verstanden wurden.

Das liegt nicht daran, dass Menschen blöd sind. Und natürlich können auch wir Fehler machen. Aber manchmal ist die richtige Basis noch nicht da. Oder die Verbindung zwischen Trainerin und Halterin passt noch nicht.

Ich habe vor kurzem einen Satz gehört:

Wenn der Schüler bereit ist, taucht der Lehrer auf.

Sinngemäß passt das für mich.

Es muss passen zwischen Lehrer und Schüler. Zwischen Beraterin und Kundin. Zwischen dem, was jemand sucht, und dem, was wir geben können.


Gesellschaftliche Erwartungen an Hunde

Viele gesellschaftliche Erwartungen an Hunde wirken sich negativ auf die Beziehung aus.

Hunde müssen immer alles aushalten.

Hunde müssen immer brav sein.

Hunde müssen machen, was wir wollen.

Hunde müssen überall mit hin können.

Und die Resultate sehen wir in der Hundeschule.

Denn Hunde wollen das alles oft gar nicht.

Ich frage mich dann immer:

Würdest du wirklich mit deiner besten Freundin oder deinem besten Freund so umgehen, wie du mit deinem Hund umgehst?

Wenn meine beste Freundin das mit mir machen würde oder ich mit ihr, wären wir wahrscheinlich schon lange keine Freundinnen mehr.

Wenn mein Hund in der Innenstadt Probleme macht, könnte man überlegen:

Mein Hund macht Probleme, also hat er Probleme. Also löse ich ihm die Probleme.

Die erste Lösung wäre dann vielleicht: Ich nehme ihn nicht mehr mit in diese Situation, die er nicht aushalten kann.

Stattdessen versuchen wir oft alles, um dem Hund beizubringen:

Du musst das jetzt aber schaffen.

Halt das jetzt aus.

Stell dich nicht an.

Und meistens wird das Problem dadurch größer, nicht kleiner.

Da dürfen wir Menschen uns zurücknehmen.


Artgerechte Kommunikation geht in beide Richtungen

Artgerechte Kommunikation bedeutet für mich, dass ich als Mensch lerne:

Welche arteigene Sprache bringt mein Hund mit?

Das ist nicht unsere menschliche Sprache.

Und dann lasse ich mich darauf ein. In beide Richtungen.

Nicht nur: Sitz, Platz, Hier, mein Hund muss meine Vokabeln lernen.

Sondern:

Was sagt mir mein Hund?

Hunde sind am Anfang oft sehr leise. Sie beginnen mit Körpersprache.

Das wird häufig nicht wahrgenommen, weil Menschen darin nicht geschult sind. Sie machen das nicht mit Absicht. Sie sehen es einfach nicht.

Aber wenn die leisen, subtilen und meistens trotzdem klaren Zeichen nicht gesehen werden, werden Hunde deutlicher.

Weil sie gesehen und gehört werden möchten.

Für mich ist artgerechte Kommunikation deshalb immer Kommunikation in beide Richtungen.


Wenn Teams nicht weiterkommen

Natürlich komme auch ich manchmal an Punkte, an denen ich nicht sofort eine Antwort habe.

Dann sage ich offen: Ich muss darüber nachdenken. Oder ich spreche mit meinem Netzwerk. Ich lasse mich selbst coachen.

Wenn ich merke, dass in der Kommunikation zwischen mir und Kundinnen oder Kunden etwas nicht stimmt, dann helfen mir die Werkzeuge aus meiner Coachingausbildung.

Ich stelle Fragen.

Und wenn Teams nicht weiterkommen oder stagnieren, obwohl wir schon weiter waren, dann weiß ich:

Ich muss zurück an die Basis.

Dort sehe ich oft, dass alte Muster wieder durchgebrochen sind.

Dann sind es manchmal einfache Stellschrauben, die noch einmal verändert werden müssen.


Es ist nie der Hund

Elli fragte mich, ob es einen Hund gab, bei dem ich an meine Grenzen gestoßen bin.

Ich musste nicht lange überlegen.

Es sind nie die Hunde, die die Grenze setzen.

Es sind immer die Menschen.

Menschen, die mitziehen. Oder eben nicht. Auch gegen inneren Widerstand.

Es darf dauern. Niemand muss alles sofort umsetzen.

Aber wenn Menschen sagen: Ich habe da eine innere Blockade, ich kann manche Dinge gerade nicht umsetzen, dann können wir damit weiterarbeiten.

Schwierig wird es, wenn Menschen nicht hinschauen wollen.

Natürlich gibt es auch Kundinnen oder Kunden, die irgendwann sagen: Bei Jule lerne ich nichts mehr.

Das kann sein. Dann dürfen sie weiterziehen.

Aber es ist nie der Hund.

Einfach nie.


Was ich im Hundetraining gerne aus der Welt schaffen würde

Ich würde vieles gerne aus der Welt schaffen.

Jegliche Gewalt natürlich.

Aber vor allem würde ich gerne die Haltung verändern.

Hin zu:

Ich höre meinem Hund zu, weil er mir sagt, was er braucht.

Und weg von:

Der Hund muss.

Ich wünschte, Hunde müssten gar nichts.

Sondern wir bieten ihnen etwas an. Und sie dürfen.

Wenn diese Grundhaltung ankommen würde, wäre vielen Hunden geholfen.

Weg von Zwang.

Hin zu Zuhören.


Wohin meine Reise geht

Meine Reise geht dahin, noch mehr Menschen zu erreichen.

Weil ich merke, dass ich helfen kann.

Ich helfe Menschen sehr gerne. Das gibt mir unglaublich viel Energie.

Je härter der Tag war, je mehr meine Kundinnen und Kunden mich im positiven Sinne gechallenged haben, durch Austausch, gute Fragen und echtes Wollen, desto energiegeladener und glücklicher gehe ich nach Hause.

Ich weiß, dass ich mich immer für Wachstum entscheiden werde.

Vielleicht nicht immer in erster Instanz. Manchmal braucht es Zeit.

Aber ich will nicht jeden Tag dasselbe machen. Das langweilt mich.

Ich möchte neue Dinge lernen, ausprobieren, über meine Komfortzone und Grenzen hinweggehen.

Ich weiß nicht genau, was das in Zukunft bedeutet. Aber Weiterentwicklung wird immer dazugehören.

Meine Challenge gerade ist vielleicht, weniger auf meinen Verstand zu hören und mehr auf mein Bauchgefühl.

Mal sehen, wo es mich hinführt.


Warum ich als vegan lebende Person einen Jagdschein gemacht habe

Ich habe einen Jagdschein gemacht, weil ich verstehen wollte, was Hunde bei der Jagd leisten.

Wenn ich mit Jagdersatz, Beuteersatz und Futterbeutel arbeite, fand ich es sinnvoll, genauer hinzuschauen.

Was leisten Hunde überhaupt bei der Jagd?

Wie findet Jagd in Deutschland statt?

Wie passt der Hund da hinein?

Eine These zur Domestikation ist ja, dass sie über gemeinschaftliche Jagd stattgefunden hat.

Auch unsere Hundezucht ist darüber entstanden, dass Hunde für bestimmte Aufgaben gezüchtet wurden.

Ich hatte als vegan lebende Person keinen echten Zugang zu diesem Bereich. Also dachte ich: Um da reinzukommen, mache ich einen Jagdschein.

Ich hatte da einfach Bock drauf.

Ich mag solche Gegensätze. Wenn ich etwas Neues entdecke und merke, da ist etwas dran, dann forsche ich weiter und verändere meine Haltung oder mein Leben dementsprechend.

Der Jagdschein macht mich mit zu dem, was ich heute bin. Was ich weiß. Wie ich mit Hundemenschen arbeite.

Ich würde es wieder machen.


Worauf ich stolz bin

Ich bin jetzt schon sehr stolz darauf, was ich meinen Kundinnen mitgegeben habe.

Das schönste Feedback für mich ist:

Jule, ich verstehe meinen Hund. Und ich kann ihm in jeder Lebenslage helfen und ihn unterstützen.

Das macht mich sehr stolz.

Weil ich dann weiß: Das nehmen Menschen ihr Leben lang mit.

Egal, wie viele Hunde noch kommen.

Diese Haltung, dass der Hund etwas tut, weil er kommuniziert, geht nicht mehr verloren.

Das rührt mich oft zu Tränen.

Wenn ich weiß, dass ich Menschen bewegt habe, umzudenken, und dass eine neue Haltung entstanden ist, macht mich das stolz.


Was meine Hunde mich gelehrt haben

Elli fragte mich, welche Eigenschaften ich an meinen Hunden schätze.

Bei Akela schätze ich seine Sturheit und Klarheit.

Er ist ein bisschen wie ich. Er fragt immer: Warum?

Und wenn ich keine gute Antwort habe, sagt er auch mal: Nö.

So bin ich auch. Wenn ich nicht überzeugt bin, bin ich nicht überzeugt.

Das heißt aber nicht, dass ich nicht überzeugt werden will. Aber Menschen müssen sich schon anstrengen, mich zu überzeugen.

An Ashoka schätze ich seine Begeisterungsfähigkeit.

Er ist schnell Feuer und Flamme, hat Tatendrang und kann sich für Dinge begeistern.

Am Dackel schätze ich, dass er uns noch einmal verfeinert hat. Auch in der Kommunikation mit Hunden.

Er kann sehr deftig sein.

Und wenn man auf sehr deftig ebenfalls sehr deftig reagiert, entsteht eine Pattsituation. Dann kann keiner zurückweichen.

Der Dackel hat mir und uns beigebracht, dass Weichheit in so einem Konflikt oft die Lösung ist.

Momo hat mir beigebracht, dass Konditionierung und Zwang aus Büchern und aus einer rein anthropozentrischen Sicht auf Hunde Quatsch sind und nichts bringen.

Sie hat alle Hebel ausgehebelt, die ich früher in der klassischen Hundeschule gelernt habe.

Ich hatte einen Rückruf 5000 Mal klassisch konditioniert. Ich habe wirklich mitgezählt. Ein bestimmter Ton gleich Fleischwurst.

Und im Wald sagte Momo trotzdem:

Ja, ich höre dich. Aber ich lasse mich nicht konditionieren. Nein danke, brauche jetzt keine Wurst.

Auch da wieder: Entscheidung.

Dass ich umdenken muss, habe ich krass von Momo gelernt. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar. Das ist ein Stück weit ihr Erbe.

Und Lini, unser Beagle, hat mir beigebracht, dass man alles auch mal ein bisschen ruhiger machen kann.

Sie hat sich auch nicht auf alles eingelassen.

Ich wollte sie mal klickern. Der Beagle hatte eigentlich immer Hunger und hätte theoretisch alles für Leckerchen gemacht.

Aber beim Klickern sagte sie: Ich steige hier voll aus.

Ich hatte fachlich alles richtig gemacht.

Aber sie sagte: Was soll denn dieser Scheiß? Du kannst mir das doch einfach so geben.

Auch das war eine wichtige Lektion.


Veränderung, Begleitung und Klarheit

Ich bin sehr unbequem.

Veränderung ist ein großer Teil meines Lebens.

Wenn ich etwas verstanden habe, dann setze ich es auch um.

So war es zum Beispiel mit meiner Ernährung. Als ich für mich verstanden habe: Niemals im Leben würde ich meinen Hund schlachten und essen, nur weil ich Bock auf Fleisch habe, war für mich klar, dass es genauso bescheuert ist, andere Tiere zu essen.

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber für mich hat sich dadurch meine Haltung verändert und ich esse das heute nicht mehr.

Wie viel Veränderung ich im Leben anderer Menschen bringe, muss jeder selbst entscheiden.

Ich kann auf jeden Fall helfen, verändern und begleiten.

Und wenn ich mich zwischen Klarheit und Empathie entscheiden müsste, würde ich sagen:

Beides.

Ich stehe nicht auf Entweder-oder, sondern auf Und.

Klarheit ist nur durch Empathie möglich.

Das schließt sich nicht aus, sondern gehört zusammen.

Um empathisch zu sein, muss ich erst einmal klar haben, wie die Situation ist.

Also: klar und empathisch.


Fazit: Der Hund tut etwas, weil er etwas mitteilt

Wenn ich auf diese Folge schaue, dann ist sie mehr als ein Interview über mich.

Sie zeigt, warum ich heute so arbeite.

Warum DER TUT WAS so heißt.

Warum ich nicht zuerst frage: Wie kriegen wir das Verhalten weg?

Sondern:

Warum tut der Hund, was er tut?

Hunde kommunizieren.

Sie treffen Entscheidungen.

Sie zeigen uns, was sie brauchen, was sie nicht können, was sie überfordert, was sie anbieten und wo sie verstanden werden möchten.

Und wenn wir Menschen bereit sind, hinzusehen, nachzufragen und unsere eigene Haltung zu überprüfen, kann sich zwischen Mensch und Hund unglaublich viel verändern.


Hör dir die Podcastfolge an


Sie geht am Dienstag, 16. Juni um 5:00 Uhr online.


https://open.spotify.com/episode/3QgrDHQZZLbGaDOk6INemu?si=xA_I-sBHTjy43kOfVdiXpQ


 
 
 

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